EuGH stärkt Verbraucherrechte Der „Widerrufsjoker“ greift erneut!

Mit seinem bahnbrechenden Urteil vom 26.03.2020 hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden, dass so gut wie alle Kreditverträge, die von Juni 2010 bis heute abgeschlossen wurden, keine bindende Widerrufsfrist enthalten. [weiterlesen...]
 
Werden Verbraucherkreditverträge, das sind Immobiliendarlehen, KfZ-Finanzierungsdarlehen, Konsumkredite, Studienkredite oder Leasingverträge, abgeschlossen, hat der Verbraucher ein Widerrufsrecht, nach dem er innerhalb von 14 Tagen den Vertrag widerrufen kann. Diese Widerrufsfrist beginnt aber erst zu laufen, wenn der Verbraucher umfassend über das Widerrufsrecht informiert wurde. Die Widerrufsbelehrung muss im Kreditvertrag enthalten sein. Seit 2010 werden diese Widerrufsbelehrungen mit sogenannten „Kaskadenverweisen“ versehen, das heißt, es wird auf bestimmte Paragraphen verwiesen, in diesen Paragraphen wird auf weitere Paragraphen verwiesen, usw. Hier hat der EuGH konträr vom Bundesgerichtshof (BGH) verlangt, dass der Verbraucher in klarer und prägnanter Form über die Widerrufsfrist und die Widerrufsmodalitäten im Vertrag belehrt werden muss. Andernfalls liegt keine ordnungsgemäße, rechtsverbindliche Belehrung vor, sodass die Widerrufsfrist nicht in Gang gesetzt worden ist. Mit anderen Worten, der Verbraucher hat auch jetzt noch die Möglichkeit, von seinem Widerrufsrecht Gebrauch zu machen.
 
Das bedeutet, dass der Verbraucher durch den Widerruf seiner Vertragserklärung den jeweiligen Kreditvertrag aufheben kann. Danach kann der Verbraucher von der Bank oder dem kreditgewährenden Institut seine kompletten Zahlungen (Tilgung und Zinsen) zurückverlangen. Im Gegenzug muss der Verbraucher das erhaltene Darlehen zurückzahlen, hat aber in der jetzigen Zeit die Möglichkeit, einen neuen Kredit mit wesentlich günstigerer Verzinsung abzuschließen und spart dadurch eine Menge Geld. Es entfällt auch eine Vorfälligkeitsentschädigung für den vorzeitig beendeten Kreditvertrag, was dem Verbraucher wiederum Geld spart. Bei dem Widerruf eines Kreditvertrages zur KFZ-Finanzierung bedeutet dies auch, dass nicht nur der Kreditvertrag, sondern auch der Kaufvertrag über das KFZ rückabgewickelt wird.
 
Überlassen Sie uns doch ganz einfach Ihre Kreditunterlagen. Wir überprüfen gerne, ob die Möglichkeit des Widerrufs noch besteht.